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Hargarter St.-Anna-Glocke wieder daheim!

 

In einem Wortgottesdienst wurde die 170 Jahre alte St.-Anna-Glocke in der Hargarter Kapelle am Freitagabend, dem 27.März 2009, wieder begrüßt. Fünf Monate weilte sie fern ihrer vertrauten Heimat, da sie dringend repariert werden musste. Der Schlagring der Glocke war durch den zu tief hängenden Klöppel beschädigt und ausgeschlagen.
In den nächsten Tagen wird sie wieder ihren Platz im Glockenturm einnehmen. Dort soll aber noch ein Schallboden eingebaut werden, damit der Klang der Glocke besser im Dorf zu hören sein wird. Erstmals soll die Glocke an Ostern die Auferstehung unseres Herrn wieder verkünden.
Gestaltet wurde der Gottesdienst vom Heimat- und Kulturverein, von der kath. Frauengemeinschaft (Andrea Kammer, Eva Ewen) und den Landfrauen ( Irma Endres) unter Mitwirkung des Ortsvorstehers R.Schomers, des Pfarrverwaltungsrates G.Gehl und Schwester Josefa Neisius,die gerade auf Heimaturlaub weilte.
Im Gottesdienst wurde deutlich, dass Glocken auch heute wichtig sind, da sie unser Leben begleiten, von kirchlichen Ereignissen berichten und uns erinnern und mahnen, dass wir als Christen in unserer Welt die Aufgabe haben, Verkünder des Wortes Gottes zu sein.

Text: Helmut Lubitz
Fotos: Robert Schomers

Kapelle1200

Die Geschichte der St. Anna Kapelle in Hargarten
- zusammengestellt von Helmut Lubitz-


Die St. Anna Kapelle in Hargarten muss um das Jahr 1600 erbaut worden sein. Höchstwahrscheinlich wurde als Schutzpatronin die hl. Anna gewählt, weil in Hargarten – der Bedeutung nach "Flachsgarten" - Flachs angebaut und zu Leinen verarbeitet wurde und die hl. Anna auch als besondere Patronin der Flachsanbauer und der häuslichen Weber/innen und Klöpplerinnen gilt. Um 1600 war die Verehrung der hl. Anna zudem auf ihrem Höhepunkt.
Im bischöfl. Visitationsbereicht von 1652 und 1657 wird jedoch in Hargarten keine Kapelle erwähnt; gewiss war sie im Schreckensjahr 1635 ( 30-jähriger Krieg ) dem Krieg zum Opfer gefallen und nur noch als Ruine vorhanden.
In einer Urkunde vom 13.01.1690 , in der es um Schulden der Gemeinde gegenüber dem Meyer Matthes geht, ist jedoch von Bauholz und von Ziegeln der Kapelle die Rede .
Um 1700 herum muss die Kapelle wieder aufgebaut worden sein, weil sie erstmals im Visitationsbericht von 1739 genannt wird.
In einem Verzeichnis der Güter und Rechte der Abtei Heilig-Kreuz zu Bouzonville von 1738 ist ein Garten oberhalb der Kapelle erwähnt (gewiss der heutige Hofgarten).
1760 untersagte der Bischof von Trier die Durchführung von Gottesdiensten am Fest der hl. Anna (26.. Juli ) wegen Baufälligkeiten
Am 4. Juli 1761 schreibt Pastor Johann Reiplinger von Reimsbach einen Brief an den Amtmann in Siersberg mit der Bitte, dass die Abtei Bouzonville sich dafür einsetzen möge, dass die Klosterherren die Kapelle, die auf dem Grund und Boden ihrer Abtei steht, wieder in einen ordentlichen Zustand versetzen sollten.
Eigentümer der Kapelle war also die Abtei Bouzonville
Die vorübergehende Schließung wird dadurch bestätigt, dass die Kapelle in Hargarten im Jahre 1771 neu aufgeführt wird. Im Visitationsbericht von 1773 ist von vielen Prozessionen zur Kapelle in Hargarten die Rede. In der Schulchronik wird berichtet, dass Pfarrer Nikolaus Rhodius, der von 1787 bis 1807 in Reimsbach Pfarrer war, die Pilgerprozessionen wegen Unzuträglichkeiten in ihrem Gefolge untersagt hat (all zu sehr dem Spiel und Tanz gehuldigt!)
1802 zur Zeit der Säkularisierung wurde die Kapelle der Abtei Hl. Kreuz in Bouzonville weggenommen und fiel in die Obhut der Zivilgemeinde. Heute ist die Pfarrgemeinde Eigentümerin der Kapelle, die sie für 900 Ffrs von der Zivilgemeinde (zwischen 1802-1815) kaufte.
Die St. Anna Kapelle in Hargarten ist also 400 Jahre alt und hat größere bauliche Überholungen und Renovierungen in den Jahren 1700,1770,1925,1949,1954 und in den 1980er Jahren überstanden. Eine Linde, die 1876 anlässlich einer Hochzeit an der Kapelle gepflanzt worden war , musste 2004 auf Veranlassung des Verwaltungsrates beseitigt werden, da das Wurzelwerk und der mächtige Baum die Kapelle immer noch sehr schädigten.
Auch heute noch sind die Hargarter Bürger stolz auf diese Kapelle; die in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Die Hargarter Vereine und Bürger sind auch heute bereit mitzuwirken, dass diese Kapelle – vor allem in Bezug auf das dringend renovierungsbedürftige Dach- auch in einem schöneren Umfeld wieder ein Schmuckstück ihres Dorfes wird..

 

 

 

 

 

 

 

Architektur und Einrichtung

Verputzter Saalbau mit Eckquaderung, Portal mit kräftigem Dreiecksgiebel, darüber Dachreiter ( typischer Turm der damaligen Zeit).
1839 wurde dort eine Glocke aufgehängt „Sancta Anna, mater virginis, intercede pro communitate Hargarten“( Hl. Anna, Mutter der Jungfrau, schütze die Gemeinde Hargarten). 1944 wurde die Glocke vom Naziregime beschlagnahmt und mit Reimsbacher Glocken zum Einschmelzen weggebracht. 1949 erfuhr Pastor Zimmer, dass das Glöcklein unbeschadet im Osten Deutschlands wäre. Dieses kam zurück, wurde am Ortseingang mit festlich geschmücktem Wagen empfangen, mit Musikkapelle und Reitern zur Kapelle begleitet.

Spätbarocker Altar und Altarbild,das die hl. Anna mit ihrem Gemahl Joachim und ihrer Tochter Maria zeigt. Die hl. Anna erklärt hier gerade ihrem Kind Maria, der späteren Mutter Jesu, die hl. Schrift.

P.S. Ein Wandbild der hl. Anna befindet sich auch in der ehemaligen Grundschule Hargarten:
Dargestellt Anna (als Familienmutter), mit ihrem Kind Maria und drei weiteren Kindern. Anna lässt Maria in der Bibel lesen und lehrt die hl. Schrift. Bild gemalt 1958 vom Dillinger Maler Feist.

 


Am Donnerstag, 8. Juni 2006, hat der damalige Bischof von Trier, Reinhard Marx, im Rahmen einer Visitations- und Firmungsreise im Dekanat Merzig auch Hargarten besucht. Vor einem kurzen Wortgottesdienst in der Sankt-Anna-Kapelle begrüßten Ortsvorsteher Ernst Lorenz und Pastor Norbert Klos den Bischof.


 
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